Titelangaben
Lang, Elisabeth
:
Holocaust education and beyond : historisch-politische Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft ; Inhalte, Spannungsfelder, Perspektiven.
Eichstätt ; Ingolstadt, 2026. - XII, 390 S.
(Dissertation, 2026, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
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Kurzfassung/Abstract
Die pädagogische Beschäftigung mit dem Holocaust und der NS-Vergangenheit ist auch jenseits anlassbezogener Konjunkturen anhaltend relevant. Gerade der historisch-politischen Bildung im Allgemeinen, der Holocaust Education im Besonderen kommt eine zentrale Bedeutung sowohl in der Adressierung von antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien als auch in der Stärkung demokratischer und toleranter Verhältnisse zu. Denn Bildungsangebote, die in ihren pädagogischen Praxen einen Beitrag zum Erinnern leisten, eröffnen zentrale Ausund Verhandlungsräume für die Vergegenwärtigung von Vergangenheit(en), die Gestaltung von Gegenwart und die Imagination von Zukunftsperspektiven. Jedoch zeigen sich Leerstellen und Herausforderungen in der Erforschung pädagogischer Bemühungen im Anschluss an den Holocaust: Zum einen ist das Feld der Holocaust Education explizit für erwachsene Adressat:innen in der erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Migrationsforschung und damit die Frage, wie sich Holocaust Education explizit für Erwachsene gestaltet, weniger stark berücksichtigt. Zum anderen geht die vorliegende Untersuchung davon aus, dass es eine Diskrepanz zwischen der migrationsgesellschaftlichen Realität und der politischen wie pädagogischen Repräsentation verschiedener Vergangenheiten besteht. Dies zeigt sich darin – so die These –, dass vornehmlich ein nationalstaatlicher Bezugsrahmen für die pädagogische Erinnerungsarbeit affirmativ angerufen wird. Die kumulative Forschungsarbeit versammelt Schriften, die danach fragen, wie sich historisch-politische Erwachsenenbildung zum Holocaust und Nationalsozialismus sowie angrenzender Themen in der Migrationsgesellschaft gestaltet und forscht demnach zu Inhalten, Spannungsfeldern und Perspektiven. Sie stellt die Frage, ob Bildungs- und Erinnerungsarbeit im Rahmen migrationsgesellschaftlicher Verhältnisse multiperspektivisch gestaltet sind und gleichfalls, wie sie multiperspektivisch gestaltet werden können. Dazu nimmt die Studie Bildungs- und Erinnerungsarbeit zu Holocaust, Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus sowie angrenzenden Themen in den Blick. Sie theoretisiert spezifische Lehrvorhaben über die nationalsozialistische Vergangenheit als Holocaust Education und daran anschließend als historisch-politische Bildung. Sie analysiert Bildungs- und Erinnerungsarbeit aus migrationsgesellschaftlichen, postkolonialen und migrationspädagogischen Perspektiven und reflektiert sie vor dem Hintergrund hegemonialer erinnerungskultureller, erinnerungspolitischer sowie integrations- und bildungspolitischer Praktiken kritisch. In der Synthese verschiedener theoretischer Annäherungen wagt die Forschungsarbeit die Formulierung der Idee einer Holocaust Education and Beyond, welche den Holocaust zum Ausgangs- und Referenzpunkt ihrer Praxis macht und gleichzeitig verschiedenen Erzählungen, Erinnerungen und Vergangenheiten Platz in von Migrationen strukturierten Gesellschaften eröffnet. Zur empirischen Beantwortung der aufgeworfenen Forschungsfragen nutzt die Untersuchung ein qualitatives Forschungsdesign und bedient sich einer qualitativen Inhaltsanalyse. Dazu verknüpft sie eine Dokumentenanalyse im Sinne einer Programmanalyse, teilnehmende Beobachtung sowie Gruppendiskussionsverfahren. Die Befunde zeigen, dass der Holocaust Education nach wie vor eine hohe Relevanz für Demokratie- und Menschenrechtsbildung zugeschrieben wird. Das Feld der Erwachsenenbildung weist ein breites und vielfältiges inhaltliches und methodisches Angebot auf, in welchem die Bildungseinrichtungen sich mit Fragen von Pluralität in der historisch-politischen Bildung in der Migrationsgesellschaft befassen und Vergangenheit(en) und Geschichte(n) explizit in ihren Verwobenheiten thematisieren. Des Weiteren machen die empirischen Ergebnisse deutlich, dass Bildungs- und Erinnerungsarbeit im Rahmen gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse stattfinden und dass an Vergangenheitskonstruktionen vielfältige Akteur:innen beteiligt sind. In der Vergegenwärtigung von historischen Ereignissen finden gleichzeitig zum einen natio-ethno-kulturell-strukturierte Gruppenkonstruktionen und Kollektivbildungen statt; zum anderen zeigen sich auch Versuche der Sichtbarmachung von Heterogenität der Bildungsteilnehmer:innen sowie von deren vielfältigen und mehrperspektivischen (Geschichts-)Bezügen. Die Untersuchung liefert außerdem Befunde zum Verhältnis zwischen vorhandenem historischem Wissen, diskursiven Vergegenwärtigungspraktiken und der Aushandlung von Zugehörigkeit zu einer (Erinnerungs-)Gemeinschaft in der pädagogischen Erinnerungsarbeit.
Weitere Angaben
| Publikationsform: | Hochschulschrift (Dissertation) |
|---|---|
| Schlagwörter: | Holocaust; Erwachsenenbildung; Bildung; Erinnerung |
| Sprache des Eintrags: | Deutsch |
| Institutionen der Universität: | Zentrale Forschungseinrichtungen > Zentrum Flucht und Migration |
| DOI / URN / ID: | 10.17904/ku.opus-1083 |
| Open Access: Freie Zugänglichkeit des Volltexts?: | Ja |
| Titel an der KU entstanden: | Ja |
| KU.edoc-ID: | 37169 |
Letzte Änderung: 24. Sep 2026 13:58
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