Titelangaben
Lange, Jennifer Friederike:
A Bio-Psycho-Social Perspective on Anxiety Disorders Treated with Cognitive Behavioral Therapy : A Multilevel Approach to Understanding the Relationship Between Biomarkers and
Fear Exposure, as well as the Importance of Attachment Style and Therapeutic Alliance.
Eichstätt, 2026
(Dissertation, 2026, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
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Kurzfassung/Abstract
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen und betreffen weltweit bis zu etwa 30 % der Bevölkerung (Jacobi et al., 2014; Szuhany & Simon, 2022). Sie sind durch pathologische Ängste und Furcht gekennzeichnet, die sich in übermäßigen emotionalen und physiologischen Reaktionen ohne reale Bedrohung äußern und zu Vermeidungsverhalten oder Sicherheitsstrategien führen. Oft gehen sie mit Panikattacken einher, die kardiovaskuläre und respiratorische Symptome hervorrufen. Angststörungen beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit, mindern die Lebensqualität und stellen eine erhebliche sozioökonomische Belastung dar (Baxter et al., 2014; Santomauro et al., 2021). Die Pathogenese von Angststörungen ist multifaktoriell und umfasst biologische, psychologische und umweltbedingte Ursachen. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die die Konfrontation mit gefürchteten Situationen fokussiert und auf die Veränderung maladaptiver Überzeugungen abzielt, ist eine weit verbreitete und hochwirksame Behandlung für verschiedene Angststörungen (Bandelow et al., 2023; Hofmann et al., 2025). Dennoch spricht etwa ein Drittel der Patienten nicht auf die Behandlung an. Die Identifikation zugrunde liegender Wirkmechanismen von KVT sowie die Differenzierung biologischer und psychologischer Risikofaktoren würden ein besseres Verständnis der Ätiologie von Angststörungen ermöglichen. Zudem ließe sich so der Nutzen von Biomarkern zur Vorhersage des Therapieerfolgs und des Rückfallrisikos bestimmen sowie eine personalisierte „Präzisionsmedizin“ entwickeln, die Behandlungen auf die individuellen Bedürfnisse abstimmt und das Potenzial hat, die Ansprechraten auf die Behandlung zu verbessern. Daher haben sich neuere Forschungsansätze verstärkt auf individuelle Unterschiede konzentriert, um relevante Faktoren für die Vorhersage des Therapieerfolgs zu identifizieren: biologische Mechanismen wie (epi-)genetische Faktoren und Stresshormone, Umweltfaktoren wie Missbrauchserfahrungen oder daraus resultierende Bindungsstile sowie therapiebezogene Prozessvariablen wie die therapeutische Allianz (Bandelow et al., 2016; Bandelow et al., 2017; Fava & Morton, 2009; Zilcha-Mano & Fisher, 2022). Unser Verständnis davon, wie Psychotherapie z. B. durch (Epi-)Genetik und die biologische Stressreaktion beeinflusst werden könnte, ist jedoch nach wie vor begrenzt. Noch weniger ist über die Auswirkungen von KVT auf biologische Prozesse bekannt. Das Verständnis der Wirkung von KVT als positivem und vorhersehbarem Umweltfaktor wird umso relevanter, als zahlreiche Studien gezeigt haben, wie eng die Umwelt, z. B. Misshandlungserfahrungen, mit biologischen Mechanismen verknüpft ist, etwa im Hinblick auf die Stressreaktion (Fischer et al., 2021) und Epigenetik (Weber et al., 2025). Interessanterweise hat sich der Bindungsstil ebenfalls als relevanter Risikofaktor für die Entstehung von Angststörungen erwiesen (Levy et al., 2011). Darüber hinaus scheint es wahrscheinlich, dass der Bindungsstil den Erfolg der Psychotherapie bei Angststörungen über die therapeutische Allianz beeinflusst (für eine Metaanalyse siehe Notsu et al., 2025). Daher erscheint es wichtig zu verstehen, wie KVT bei Angststörungen von biologischen Mechanismen und zwischenmenschlichen Prozessen beeinflusst wird und diese wiederum beeinflussen kann. Eine Zusammenführung von Forschungsergebnissen aus verschiedenen Bereichen innerhalb eines bio-psycho-sozialen Modells könnte zu einem besseren Verständnis der Beiträge verschiedener Mechanismen in der Therapie beisteuern. Um diese Forschungslücke zu adressieren, haben wir die folgenden Studien durchgeführt.
In Publikation I führten wir eine Literaturrecherche darüber durch, wie KVT mit der Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-(HPA)-Achse bei Patienten mit Angststörungen zusammenhängt und diese beeinflussen könnte. Da es sich um eines der relevantesten biologischen Systeme für die Stressreaktion handelt, ist das Verständnis von Veränderungen innerhalb dieses Systems für Patienten, die an Angststörungen leiden, besonders wichtig. Insgesamt fanden wir Belege für die Annahme, dass der Cortisolspiegel den Krankheitsstatus anzeigen und als möglicher Biomarker für die Vorhersage des Therapieerfolgs dienen könnte. Im Einzelnen legen die untersuchten Studien nahe, dass anhaltend erhöhte Cortisolspiegel den Therapieerfolg zu beeinträchtigen scheinen. Wir haben uns ferner darauf konzentriert, wie KVT, insbesondere die therapeutische Exposition mit gefürchteten Situationen, die Funktion der HPA-Achse beeinflussen könnte. Eine positive Wirkung eines erhöhten Cortisolspiegels während der Exposition oder umgekehrt die Auswirkungen einer abgeschwächten Reaktion des HPA-Systems auf einen ungünstigen Behandlungsverlauf werden gestützt. Zudem scheint eine wirksame KVT die Hyperfunktion des HPA-Systems zu normalisieren. Darüber hinaus scheinen kognitive Prozesse, wie z. B. positive Erwartungshaltung, Attribution, wahrgenommene Kontrollierbarkeit und Bewältigungsstrategien, einen Einfluss auf die adaptive Funktion des HPA-Systems zu haben.
Zweitens führten wir eine Therapieverlaufsstudie bei Patienten mit Panikstörung durch, die mit KVT in der Ambulanz des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München behandelt wurden. Wir untersuchten dynamische Veränderungen bei epigenetischen (Genmethylierung und -expression), metabolomischen (durch den Stoffwechsel produzierte kleine Moleküle) und immunologischen Biomarkern sowie bei Beziehungsmustern (Bindungsstil, interpersonelle Probleme und therapeutische Allianz). Wir setzten verschiedene Messmethoden, darunter diverse Fragebögen und Blutentnahmen, zu verschiedenen Zeitpunkten während einer standardisierten, expositionsbasierten Kurzzeit-KVT (12 Sitzungen und zwei Auffrischungssitzungen) ein: vor/nach der Behandlung, während der Behandlung, während der Expositionssitzungen und bei Follow-up.
Es wurden biologische Marker auf verschiedenen Ebenen analysiert: In Publikation II wurde eine spezifische DNA-Methylierung (HECA-Gen) identifiziert, die - als zeitlich stabile, vererbbare Mechanismen der Genregulation - als Biomarker für Panikstörung dienen könnte und damit potenzielle epigenetische Mechanismen aufzeigen. Publikation III stellte fest, dass die Exposition mit einer gefürchteten Situation eine signifikante Veränderung eines Plasmametaboliten, nämlich Glyoxylat, hervorrief, die mit dem erlebten Angstlevel korreliert war. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Metabolom als dynamischer Marker für verschiedene Angstzustände dienen könnte. Die damit verbundenen Veränderungen der Genexpression während der Exposition waren gering, könnten jedoch auf biologische Korrelate akuter Panikattacken und des Therapieerfolgs hinweisen. Publikation IV ergab, dass spezifische DNA-Methylierungen während und nach einer erfolgreichen Expositionstherapie verändert waren. Dies betraf beispielsweise das Gen für den Serotoninrezeptor 3A, der mit der Regulation von Panikzuständen und Angstkreisläufen assoziiert ist, sowie Muster des Immunsystems, die mit Panikstörung und akuter Angst zusammenhängen (einschließlich der Methylierung des Arginase-1-Gens, CD4+-T-Zellen, CD8+-T-Zellen, B-Zellen und Granulozyten). Darüber hinaus standen diese Veränderungen im Zusammenhang mit dem Therapieerfolg. Zusammengenommen unterstreichen die Ergebnisse der Studien III und IV die mögliche Rolle von Epigenetik bei der Wirkung von KVT und ihr Potenzial als Biomarker für den Behandlungserfolg.
In Veröffentlichung V wurden psychologische Prozessvariablen über den Therapieverlauf hinweg analysiert, insbesondere der Zusammenhang zwischen Veränderungen des Bindungsstils und der therapeutischen Allianz. Wir stellten fest, dass ein unsicherer, insbesondere anklammernder Bindungsstil nach der Behandlung reduziert war. Darüber hinaus war eine Abnahme der unsicheren Bindung mit Verbesserungen in der Symptomschwere, der therapeutischen Allianz und der zwischenmenschlichen Schwierigkeiten korreliert, die ihrerseits wiederum mit der Wirksamkeit der KVT in Zusammenhang standen. Ferner zeigten die Ergebnisse, dass der Bindungsstil und interpersonelle Probleme die Beziehung zwischen der therapeutischen Allianz und der anschließenden Symptomschwere zu moderieren scheinen. Die Studie beleuchtet die Dynamik und die potenziellen positiven Auswirkungen einer standardisierten Kurzzeit-KVT auf interpersonelle Muster.
Die Veröffentlichungen bieten Einblicke sowohl in die Pathophysiologie von Angststörungen als auch in die Behandlungsmechanismen von KVT und zielen darauf ab, das Verständnis für wirksame Therapien und personalisierte Ansätze für Patienten mit Angststörung zu verbessern. Sie heben einerseits biologische Mechanismen hervor, die potenziell durch die KVT beeinflusst werden: Veränderungen im HPA-System (Cortisolspiegel), in der Genetik (DNA-Methylierung und Genexpression), metabolomische Veränderungen (Glyoxylat-Regulierung) sowie die Dynamik des Immunsystems. Andererseits werden psychologische Prozesse untermauert, wobei die Bedeutung kognitiver Faktoren, zwischenmenschlicher Muster und der therapeutischen Allianz bei der Behandlung von Panikstörung hervorgehoben wird. Insgesamt zeigen sich Veränderungen auf mehreren Ebenen, die einen bio-psycho-sozialen Ansatz zur Behandlung der Panikstörung stützen. Trotz ihrer Limitationen beleuchtet diese Arbeit die vielschichtigen potenziellen Auswirkungen von KVT auf Angststörungen/ Panikstörung und trägt zum Verständnis von Wirkmechanismen bei, was einen integrativeren Ansatz bei psychischer Gesundheit unterstützen könnte. Zukünftige Potenziale liegen in der Individualisierung von Therapien sowie der Ergebnismessung mittels Biomarkern sowie psychometrischer Verfahren.
Weitere Angaben
| Publikationsform: | Hochschulschrift (Dissertation) |
|---|---|
| Zusätzliche Informationen: | Kumulative Dissertation |
| Schlagwörter: | Angststörung; Psychische Gesundheit; Klinische Psychotheraphie; Kognitive Verhaltenstherapie; Biomarker |
| Sprache des Eintrags: | Englisch |
| Institutionen der Universität: | Philosophisch-Pädagogische Fakultät > Psychologie > Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie
Philosophisch-Pädagogische Fakultät > Dissertationen / Habilitationen |
| DOI / URN / ID: | 10.17904/ku.opus-1048 |
| Open Access: Freie Zugänglichkeit des Volltexts?: | Ja |
| Titel an der KU entstanden: | Ja |
| KU.edoc-ID: | 36771 |
Letzte Änderung: 19. Jun 2026 10:53
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