Titelangaben
Schönwald, Susanna ; Gräff-Rudolph, Ute ; Sulz, Serge K. D.:
Biographische Determinanten der Disposition zu psychischer Erkrankung : Evaluation des VDS1-Fragebogens zur Lebens- und Krankheitsgeschichte.
In: European Psychotherapy : Scientific Journal for Psychotherapeutic Research and Practice. 17 (2026): 4.
- S. 36-53.
ISSN 2943-8659
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Kurzfassung/Abstract
Hintergrund und Ziel: Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung biografischer Faktoren für die Entstehung psychischer Erkrankungen im Erwachsenenalter. Im Fokus steht die Evaluation des VDS1-Fragebogens zur Lebens- und Krankheitsgeschichte, eines der am häufigsten genutzten Anamneseinstrumente in der ambulanten Psychotherapie. Das Ziel war es, den Zusammenhang zwischen frühkindlichen Belastungen, frustrierten Grundbedürfnissen und der späteren Symptomatik empirisch zu belegen.
Methodik: Es wurden Daten von insgesamt 308 Patienten aus zwei Studien (Hagspiel-Studie, n=208; Schönwald-Studie, n=100) ausgewertet. Die methodische Vorgehensweise kombinierte eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring der über 480 offenen Fragen des VDS1 mit einer quantitativen Validierung durch weitere standardisierte VDS-Instrumente (u. a. VDS90, VDS30, VDS27).
Ergebnisse: Die Studien belegen ein massiv erhöhtes Ausmaß an Belastungen in der Kindheit, wobei die Häufigkeitsverteilung über fast alle biografischen Variablen hinweg zwischen 70 und 100 Prozent lag. Besonders häufig wurden Frustrationen der Bindungs- und Selbstwertbedürfnisse sowie eine hohe Prävalenz elterlicher Pathologien (z. B. Depressionen, Aggressionen) berichtet. Diese Erfahrungen korrespondieren signifikant mit einem unsicheren Bindungsstil, massiven Defiziten in der Emotionsregulation (nahezu 100 % der Patienten) sowie der Ausprägung selbstunsicherer und dependenter Persönlichkeitszüge im Erwachsenenalter.
Schlussfolgerung: Der VDS1 dient als wissenschaftlich validierter „Determinantenbeweis“ für die affektiv-kognitive Entwicklungstheorie nach Sulz. Die Ergebnisse bestätigen, dass frühkindliche Belastungen die primäre Vulnerabilität für psychische Störungen schaffen, indem sie zur Bildung maladaptiver Schemata und dysfunktionaler „Überlebensregeln“ führen. Die Kenntnis dieser biografischen Ätiopathogenese ist essenziell für eine ursachenorientierte Fallkonzeption und gezielte präventive Maßnahmen.
Weitere Angaben
| Publikationsform: | Artikel |
|---|---|
| Schlagwörter: | VDS1-Fragebogen; Biografische Anamnese; Kindheitsbelastungen; Bindungsstil; Emotionsregulation; Affektiv-kognitive Entwicklungstheorie; Psychotherapie-Forschung; Qualitative Inhaltsanalyse; Überlebensregel |
| Sprache des Eintrags: | Deutsch |
| Institutionen der Universität: | Philosophisch-Pädagogische Fakultät > Pädagogik > Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitspädagogik |
| DOI / URN / ID: | 10.23668/psycharchives.21882 |
| Open Access: Freie Zugänglichkeit des Volltexts?: | Ja |
| Peer-Review-Journal: | Ja |
| Titel an der KU entstanden: | Ja |
| KU.edoc-ID: | 36626 |
Letzte Änderung: 29. Apr 2026 08:50
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